Kinderlachen hat etwas Magisches. Sie kichern, giggeln, glucksen, prusten und lachen aus vollem Hals. Dieser glücklich-fröhliche Glanz in ihren Augen verzaubert mich immer wieder. Man kann nach Kinderlachen förmlich süchtig werden. Wenn sie sich über irgendetwas herrlich amüsieren, egal ob das nun ein lustiges Wort, ein Witz oder das elterliche Kitzeln ist, hebt das die Stimmung und ist hochgradig ansteckend.
Kinder lachen deutlich häufiger als Erwachsene. Zumindest findet man diese Aussage recht oft in der Presse oder im Internet. Bisher konnte ich keine Studie finden, die Zahlen wie „400 Mal“ pro Tag belegen (bei einem 12-Stunden-Tag würde dies bedeuten, dass Kinder 33 Mal in der Stunde lachen. Im Durchschnitt.).
Zur Lach-Frequenz von uns Erwachsenen im Alltag findet man jedoch Daten: Eine Studie aus 1999 [1] untersuchte die Häufigkeit, mit der wir lachen. Die nüchternen Ergebnisse lauten: Nur rund 18 Mal im Tagesverlauf.
Woran liegt das, dass wir so selten lachen?
Sind wir zu ernst geworden…?
Dass Lachen unsere mentale Gesundheit verbessert, ist sogar Gegenstand der Wissenschaft. Gelotologie nennt sich die Forschung zum Humor. Einer ihrer Pioniere ist William F. Fry, der bereits 1964 ein Institut für Humorforschung an der Stanford University, Palo Alto, gründete. Seiner Zeit weit voraus untersuchte er, welche Auswirkungen Lachen auf uns und unsere Gesundheit hat. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Überzeugung wurde er von den Kollegen belächelt – welche Ironie!
Spannenderweise scheint „stimuliertes Lachen“ (quasi Lachen ohne Grund), deutlich besser unsere Gesundheit zu fördern als „spontanes Lachen“ (Lachen, weil man etwas witzig findet). Zumindest ist dies die Aussage einer Meta-Analyse von 2019 [2].
Dieser Umstand kann therapeutisch genutzt werden: Haben Sie schon einmal von Lach-Yoga [3] gehört?
Das Credo der Lach-Yogi lautet „fake it until you make it“, lose übersetzbar als „täusche es vor, bis es echt ist“ und beschreibt recht gut den Prozess, der beim Lachyoga durchlaufen wird. Zu Beginn stehen Aufwärmübungen auf dem Programm: HO HO HO, HA HA HA,…
Zugegebenermaßen: Anfangs kommt man sich reichlich albern vor, aber nach einer Weile übernimmt ein mehr und mehr echtes Lachen. Um Himmel Willen!, ich hoffe, hier sieht mich keiner..!
Das Gehirn erkennt zwar, ob es sich um ein vorgetäuschtes oder ein echtes Lachen handelt, dem Körper gelingt dies jedoch nicht [4]. Egal ob „stimuliert“ oder „induziert“ gelacht wird, die Effekte sind vergleichbar: So gibt es beispielsweise Hinweise, dass Lach-Yoga nach 30 Minuten deutlich das Stresslevel senkt – und das sogar besser als entspannende Atemübungen [5]. Zudem unterstützt Lachen nicht nur das Immunsystem [6][7], sondern reduziert auch die Blutkonzentrationen von Cortisol und Epinephrin [8] (beides Stresshormone) und sorgt somit für Entspannung.
Noch eines zum Schluss: Die Datenlage zum therapeutischen Lachen schwach. Bei einer Suche nach „laughter AND mental health“ bei PubMed erscheinen nur 77 Studien aus den letzten 10 Jahren [9]. Aber ehrlich gesprochen: Was haben wir schon zu verlieren?
Lachen wir mal wieder. Suchen wir den Humor in unserem Leben – und wenn es gerade nichts zum Lachen gibt, dann wagen Sie einmal folgenden Versuch:
Stellen Sie sich vor den Spiegel und lächeln Sie sich 60 Sekunden lang an.
Vielleicht merken Sie etwas…?
Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Start in die Woche!
Ihre Dr. Buhl
[1] Martin, R. A., & Kuiper, N. A. (1999). Daily occurrence of laughter: Relationships with age, gender, and Type A personality. Humor: International Journal of Humor Research, 12(4), 355–384. https://doi.org/10.1515/humr.1999.12.4.355
[2] van der Wal, C. N., & Kok, R. N. (2019). Laughter-inducing therapies: Systematic review and meta-analysis. Social science & medicine (1982), 232, 473–488. https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2019.02.018
[3] https://www.youtube.com/watch?v=VHof8NmCr3Y
[4] Mora-Ripoll R. (2011). Potential health benefits of simulated laughter: a narrative review of the literature and recommendations for future research. Complementary therapies in medicine, 19(3), 170–177. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2011.05.003
[5] Meier, M., Wirz, L., Dickinson, P., & Pruessner, J. C. (2021). Laughter yoga reduces the cortisol response to acute stress in healthy individuals. Stress (Amsterdam, Netherlands), 24(1), 44–52. https://doi.org/10.1080/10253890.2020.1766018
[6] Bennett, M. P., Zeller, J. M., Rosenberg, L., & McCann, J. (2003). The effect of mirthful laughter on stress and natural killer cell activity. Alternative therapies in health and medicine, 9(2), 38–45.
[7]Bennett, M. P., & Lengacher, C. (2009). Humor and Laughter May Influence Health IV. Humor and Immune Function. Evidence-based complementary and alternative medicine : eCAM, 6(2), 159–164. https://doi.org/10.1093/ecam/nem149
[8] Yim J. (2016). Therapeutic Benefits of Laughter in Mental Health: A Theoretical Review. The Tohoku journal of experimental medicine, 239(3), 243–249. https://doi.org/10.1620/tjem.239.243
[9] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=laughter+AND+mental+health&filter=datesearch.y_10 (abgerufen am 08.01.2022 um 14:56 Uhr)