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Nebel umweben die kahlen Bäume, wie hauchzarte Schleier. Vereinzelt segelt Laub lautlos zu Boden. Der erste Raureif lässt die Gräser wie verzuckert aussehen.
Wenn die Sonne kaum durch die Wolken kommt und der ganze Tag in graues Dämmerlicht getaucht wird, dann ist es schwer, Tag von Nacht zu unterscheiden.
Es ist Herbst. Der Winter naht, und die Natur bereitet sich auf eine karge Zeit vor, eine Zeit voller Entbehrungen, Kälte und Tod.

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Morgen ist Halloween, All Hallows‘ Eve, die Nacht vor Allerheiligen.
In den Geschäften wimmelt es vor Kunstblut, Theaterschminke und Skeletten. Die Kinder verkleiden sich als Gruselgestalten und ziehen durch die Straßen, „Süßes, sonst gibt es Saures!“. Sie erbeten  Süßigkeiten als „Schutzgeld“, auf dass dieses Haus von Streichen verschont bleibe.

Woher kommt dieser Brauch, dass Geister, Hexen und Skelette von Haus zu Haus ziehen?
Halloween ist seit einigen Jahren immer präsenter geworden und stark beeinflusst von den amerikanischen Traditionen. Vermutlich entstammt Halloween irisch- katholischen Einwanderern aus Amerika , die Allerseelen (dem Tag nach Allerheiligen) als Fest der Verstorbenen feierten. Hierzulande werden oftmals bereits am Nachmittag von Allerheiligen, dem 1.11., Kerzen auf den Gräbern der Verstorbenen entzündet um ihnen zu gedenken.
Zur vorchristlichen Zeit hatte der 31.10. eine andere, wenn auch sehr ähnliche Bedeutung: „Halloween“ fällt auf ein wichtiges Datum der keltischen Kultur, das Hochfest Samhain. Der keltische Kalender unterschied sich von unserem: Während wir an Silvester das alte Jahr beenden, begann für die Kelten das neue Jahr zu Samhain, dem Tag „an dem die Toten nach Hause kehren“ und man mit Feuern (englisch: bonfire, für Knochenfeuer, weil man die Knochen des Schlachtviehs verbrannte) das neue Jahr feierte. Man brachte den Verstorbenen Opfer, legte Brot vor die Tür – damit die Toten auf ihrer Wanderschaft keinen Hunger leiden mussten.
Man glaubte, dass an diesem Tag die Schleier zwischen unserer Welt und die Welt der Toten besonders dünn seien. Wahrsagerei spielte eine große Rolle – Traditionen zum Jahreswechsel, die sich auch bei uns mit dem Wachsgießen zu Silvester gehalten haben.

Egal, welcher Religion oder Glaubensrichtung Sie angehören, ob Sie Halloween feiern oder nicht.
Wir alle haben Wurzeln, wir alle haben Vorfahren und wir alle müssen im Leben den Verlust von wichtigen Menschen in unserem Leben betrauern.
Trauer hört nie auf, sie integriert sich in unser Leben – und die Erinnerungen leben in uns weiter.
Halloween, Allerseelen oder Samhain bieten uns die Möglichkeit unserer Wurzeln zu gedenken und sie zu ehren. Unsere Vorfahren leben weiter, in unseren Genen unserem Erbgut, ob wir wollen oder nicht. Aber auch unsere Partner, Wegbegleiter, Freunde, sie alle finden ein Stückweit Unendlichkeit in uns, unseren Herzen und unserer Erinnerung. Sie alle prägen und beeinflussen uns.
Ehren wir die Verstorbenen, sie sind Grund für das, was wir sind.

Ein wunderschöner Brauch besagt: „Stelle am Abendbrottisch von Halloween/Samhain einen zusätzlichen Teller an den Tisch, lege Besteck daneben. Dieser Platz bleibt für die Verstorbenen, damit sie heute Abend an unserem Tisch willkommen sind.“

Ein Gedanke zu “Die Nacht vor Allerheiligen – Gedenken an die Verstorbenen

  1. Ein sehr schöner Text. Vor allem der letzte Part hat mich aufgrund meiner Vergangenheit berührt und mir ein paar Tränen in die Augen getrieben. Sie wird nie vergessen werden.
    Ich glaub den Brauch mit dem zusätzlichen Teller und Besteck werden wir nächstes Jahr bei uns einführen.
    Danke Maren!

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