Ausgebrannt.
Die Flamme der Begeisterung ist erloschen. Was bleibt ist fahl-graue Asche und ein dumpfes Gefühl, das zwischen Trauer, Resignation und Müdigkeit liegt.
Wenn von der anfänglichen Euphorie nichts weiter übrig ist als Schall und Rauch, dann schwebt über allem die eine Frage: „Was nun?“

Burn-Out. Vor allem engagierte, harmoniebedürftige und perfektionistisch veranlagte Menschen verspüren irgendwann das Gefühl ausgelaugt und ohne jede Energie zu sein.
Wer überall Höchstleistungen bringen möchte und immer mit „Feuer und Flamme“ dabei ist, läuft Gefahr über die eigenen Ressourcen hinaus zu arbeiten und somit die eigenen Energiereserven hoffnungslos aufzubrauchen. Von 100 auf 0 in 2 Sekunden. Wenn für alles die Kraft fehlt, für was ist dann noch Kraft da?

„Du kannst nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen“, sagte Oma immer und was sie meinte war: Wir können nicht immer und überall 100% geben.
Prioritäten sind wichtig. Zu wissen, was uns in unserem Leben wirklich wichtig ist.

Wenn man nicht für alles brennen kann:

Für was ist es Wert zu brennen?

Um diese Frage zu beantworten nutze ich unter anderem eine ganz besondere Übung:
Die „100%-Regel“.

Wenn wir nur maximal 100% Energie haben – und seien wir ehrlich, das ist schon sehr hoch gegriffen -, müssen wir überlegen welche Anteile in unserem Leben wie viel Prozent unserer Energie verdienen.

Das Zauberwort heißt Priorisierung. Fragen Sie sich: „Wie verteile ich meine 100%, damit ich zufrieden bin? Was soll in meinem Leben den Löwenanteil ausmachen, welche Dinge sind mir wichtig?“
Machen Sie sich eine Liste der Lebensbereiche, die in Ihrem Leben eine Rolle spielen: Arbeit/Beruf/Zweitjob, Familie/Freunde, Hobbies/Ehrenamt,… Und dann verteilen Sie prozentual Ihre Energie.
Sie sind Topmanagerin und der Beruf ist Ihr Leben? Dann könnte eine mögliche Priorisierung folgendermaßen lauten: 70% Arbeit und beruflichen Erfolg, 20% Privatleben, 10% Hobbies.
Oder sind Sie eher familienorientiert? Dann passt vielleicht folgende Variante: 40 % Familie, 31% Arbeit, 10% Freunde, 9% ehrenamtliche Tätigkeit.
Werden Sie sich bewusst, wie viel Energie Ihnen zur Verfügung steht und welche Aspekte Ihres Lebens Ihnen wirklich etwas bedeuten. Es gibt kein richtig oder falsch – es ist Ihr Leben und Ihre Entscheidung. Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung. Ihr Leben, Ihre Prioritäten. Ihr Recht.

Dennoch: Diese Verteilung ist nicht in Stein gemeißelt, sondern kann jederzeit angepasst werden. Wenn sich Ihr Leben ändert, ändern sich oftmals auch die Prioritäten. Nehmen Sie beispielsweise die Geburt eines Kindes; Jedes Elternteil wird bestätigen können, dass sich mit der Geburt sehr viel am eigenen Leben ändert. Das ist auch vollkommen normal so! Schließlich unterscheidet sich die Lebensgestaltung in den verschiedenen Lebensabschnitten maßgeblich voneinander. Die Prioritäten einer jungen Single-Frau unterscheiden sich von einer Dame im höheren Altern. Und dass das Leben eines Alleinerziehenden anders aussieht als das Leben einer jungen Familie ist auch klar. Es macht durchaus Sinn, die eigene Ressourcenverteilung ab und an auf den Prüfstand zu stellen.

Wenn Sie wissen, welche Lebensbereiche Ihre Energie in welchem Umfang verdienen, dann können sie weitaus besser Ihre Grenzen kommunizieren (sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber) und somit besser mit der Energie umgeht, die Ihnen zur Verfügung steht.

6 Gedanken zu “Die 100% Regel

  1. Niemand will
    den eigenen
    Schatten schultern
    von daher
    wird ein
    Gedankenbaum errichtet
    von dem man bequem
    die süssen Früchte
    des Lebens
    in der Wiese liegend
    in den offenen Mund
    fallen lassen kann

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    1. Guten Abend Herr HGamma,
      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. In den letzten Tage habe ich über Ihre Worte nachgedacht:
      Wenn ich Sie richtig verstehe, dann ist es leichter die angenehmen Seiten des Leben zu sehen, als sich „den eigenen Schatten“ zu stellen.
      Vermutlich liegt da „die Faulheit des Menschen“ zu Grunde – wer will schon an sich arbeiten, wenn es leichter geht…?
      Spannend wäre die Betrachtung, dass der süße Lohn einer guten „Schattenarbeit“ vielleicht deutlich verlockender ist – wenn auch nicht so offensichtlich.

      Auf der anderen Seite kann manchmal auch allein die Akzeptanz der Schatten auf den eigenen Schulter – entweder die eigene Akzeptanz, oder die einer anderen Person – entlastend und befriedigend sein.

      Letztlich sind wir alle, und jeder für sich selbst, für das eigene Glück und die eigene Zufriedenheit zuständig.

      Ich hoffe, ich habe Ihren Beitrag richtig interpretiert. Falls nicht, dann freue ich mich auf einen weitern Kommentar von Ihnen und verbleibe mit bestem Gruß,

      Dr. Buhl

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      1. Guten Tag Herr Dr. Buhl,

        Vielen Dank für Ihre Antwort.

        Die Schattenarbeit fordert mich als ganzen Menschen heraus.

        Die Unruhe bleibt, die Erkenntnis zur Tat kommt oft erst danach.

        Das zeigt mir, dass der innere Antrieb keine Rücksicht auf den Gesinnungsrahmen, zu meinem Bewusstsein nimmt.

        Die Auseinandersetzung mit meinen dunklen Seiten, macht mich zu keinem Wissensvermittler für andere.

        Die Welt, die von aussen in mich eindringt versuche ich mit der Innenwelt in Verbindung zu bringen.

        Entlohnt kann ich für meine einsame Arbeit nicht werden.

        Seele und Geist sind im Innern beheimatet und nicht da draussen.

        Das Märchen von Hans im Glück, wohl verstanden,
        ist seit meiner Kindheit ein Hinweis,

        doch, nicht den vermeintlichen Lohn als Last des Lebens abzuwerfen,
        damit mit nichts nach Hause zurück zu kehren, wie wir dem alle am Ende müssen.

        Von welcher Bedeutung (im Schlechten wie im Guten) ich für andere bin, das kann ich mir nicht wissen.

        Wo ich jemand zu Diensten sein kann, ich es vermag, ich will es mit bestem Gewissen versuchen, auch da, habe die Gewissheit des Guten nicht in meiner Hand.

        Herzlichen Dank für den Gedankenaustausch, viele Grüße

        Hans Gamma

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      2. Guten Abend Herr Hans Gamma.

        Sie schreiben: „Die Auseinandersetzung mit meinen dunklen Seiten, macht mich zu keinem Wissensvermittler für andere.“ – Wenn man von einer allgemein gültigen Wahrheit ausgeht, einer Wahrheit, die für jeden einzelnen passt, dann wohl nicht.
        Jedoch möglich ich fragen: Wenn wir uns mit unseren eigenen Schatten beschäftigen, schult es dann nicht auch die Empathie für andere?
        Den eigenen Schatten begegnen ist für uns alle schwer, jeder trägt seine eigene Last – aber ich glaube fest daran, dass Verständnis füreinander, für den Weg (der manchmal beschwerlich ist), den jeder gehen muss, für uns heilsam ist.
        Sicher, wir sprechen nicht vom „Wissen“, wie in „Wissenschaft. Schließlich sind diese Erfahrungen höchst persönlich und individuell geprägt. Aber das „Wissen um die eigenen Schatten“ macht uns menschlich, nahbar und wertvoll.
        Je mehr wir erkennen, was das „Mensch-Sein“ bedeutet – nämlich Anteil nehmen, fürsorglich sein (für uns und andere), Mitgefühl zeigen – desto mehr erkennen wir uns selbst in anderen.

        Mit besten Grüßen in den Feierabend,

        Dr. Buhl

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      3. Guten Tag Frau Dr. Buhl.

        Vielen Vielen Dank für Ihre Antwort.

        Seele und Geist sind in uns und nicht da draussen.

        Meinen Schatten kann ich nicht ergründen, mir nicht wissen.

        Im Drama der Seele, indem ich nicht der Autor bin,
        mich selbst im Traumgeschehen nicht verstehe, was und wie und warum mein Tun und nicht anders.

        Der gängigen Moral, dem sich das Unbewusste widersetzt, dem Geschehen eine Bedeutung zu geben, mich darin besser zu verstehen.

        Das Verständnis füreinander, kann ich im Rahmen der „Vernunft“, (in Gemeinsamkeit von empfinden, denken, ahnen und fühlen), erst dann, wenn der Traum mir klar gemacht hat, wie ich mich nach Innen und nach Aussen verhalte, benehme.

        Daraufhin, der Versuch die Arbeit an meinem Schatten, um damit vielleicht zu neuer Einsicht zu kommen.

        In der Zwiesprache, über die Lösung eines Problems; der Glaube, dass ich aus meiner Sicht jemand anderen, in seinem Wesen verstehen, ihm sogar einen Ratschlag mit auf den Weg geben kann;

        das Heilende, so vermute ich, befindet sich in jedem Menschen selbst.

        Mein Einfühlungsvermögen, dem anderen mit meinem Befund mit gesicherter Deutungshoheit;

        grenzt in der Gegenübertragung am Unbewussten, (an dem die ganze Menschheit teil hat);

        „das Unbewusste das unbewusst bleibt“

        um mir damit, in der Traumsprache meine unbearbeitete dunkle Seite meiner selbst mir aufzeigt.

        Als ein Wissender, will ich alles Wissen, will ich mit meinem Wissen, mir und den anderen zur Klarheit, sie folgerichtig damit vermehren.

        Wenn ich jemanden als unmenschlich, unnahbar wertlos in seinem „Mensch-Sein“ als solches zu meinen erkenne;

        weil ich mit meinem Urteil für das Bessere im Menschen darin Anteil nehme, als fürsorglich mein Mitgefühl als tugendhaft und wahrhaftig beurteile – darin sehe ich,
        (vorausgesetzt das es mir bewusst werden kann),
        dass ich mich vom wirklichen Leben verabschiedet habe.

        Die alltägliche Schulung, durch das Gewissen, (denn, alles was ist, kann auch verloren gehen) gibt mir im jedem „danach“,

        durch das Erinnern, quer dem Rahmen der gesicherten Gedankenwelt, ein mir entsprechendes Urteil, über mein Wesen, meine Haltung zum Leben, zum Gegenüber, allem anderen.

        Das Gewissen fördert, indem es mich mit einer „Unruhe“ anstößt zu neuer Einsicht, gegen meine Vorurteile gegenüber anderen und zu mir selbst.

        Der Fingerzeig ist mir eine Mahnung, denn drei Finger zeigen damit auf mich selber.

        In den anderen kann und darf ich nicht „sein“, der andere wird mir immer ein Geheimnis bleiben.

        Wir bleiben in allem menschlich, ein Wesen, ein Mensch;
        die Menschenwürde ist nicht teilbar.

        Liebe Grüße
        Hans Gamma

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      4. Liebe Frau Dr. Buhl

        Bitte entschuldigen Sie meine falsche Anrede,

        Ich wünsche Ihnen alles Gute.

        Hans Gamma

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