Draußen stürmt es.
Schneeregen prasselt auf die Häuserdächer. Es ist, als ob sich die Welt nicht entscheiden könnte: Ist es nun warm oder ist es nun kalt?

Langsam regt sich die Flora und die Fauna wieder, die ersten zarten Frühblüher wagen ihren Blick aus dem Dunkeln der Erde.
Es wird merklich heller, die Sonne geht früher auf und später wieder unter. Das längere Tageslicht weckt die Natur.

Dennoch sagt uns das Wetter: Halte ein! Noch ist es zu früh für Freude. Späte Nachtfröste können dem vorfreudigen Sprießen ein jähes Ende setzen. Auch wenn die Sehnsucht nach Licht, Sonne und Wärme groß ist – noch ist es nicht an der Zeit, sich der Sehnsucht hinzugeben.

Frühlingszart, noch kaum zu spüren,

bricht der Tag durchs Wolkendicht

lässt verheißungsvoll schon spüren

Was der Frühling bald verspricht.

Verstohlen schimmern Sonnenstrahlen

wer sie genießt, wird reich belohnt

und inzwischen kann man ahnen

welch‘ Kraft dem Frühling innewohnt.

Maren Buhl

Anfang Februar treffen erneut zwei kulturelle Fäden aufeinander: Imbolc, am 1. Februar, und Mariä Lichtmess, am 2. Februar.

Beide Feste werden Anfang Februar begangen, beide haben mit Reinigung, Neubeginn und dem erwachenden Licht zu tun – auch wenn sie aus zwei vollkommen verschiedenen Kulturen stammen.

Am 1. Februar wurde in Irland das Lichtfest Imbolc gefeiert. Das Wort entstammt wohl dem altirischen und bedeutet „Waschung“ oder „Reinigung“ [3]. Es wurde der Vorfreude auf den Frühling genossen und um Fruchtbarkeit und reiche Ernte gebeten. Traditionell galt der Vorabend auf den 1. Februar als Fest der St. Brigid (irisch: Lá Fhéile Bríde), der Göttin des Feuers, der Einheit, der Geburt, der Heilung und der Poesie. Sie galt als Schutzheilige der Heiler, Schmiedeleute und der Barden [4]. An den ihr geweihten Quellen (St. Brigid’s Well in Liscannon) bat man um Reinigung und Heilung.
Es gilt als Tradition, zum 1. Februar alle Lichter im Haus zu entzünden, um den Winter zu vertreiben und das Licht zu ehren.

Laut der Bibel gilt die Frau vierzig Tage nach der Geburt eines Jungen als unrein („sieben Tage unrein, wie sie in der Zeit ihrer Regel unrein ist“ + „dreiunddreißig Tage soll die Frau wegen des vergossenen Blutes im Zustand der Reinigung bleiben“, 3.Mose 12,2-4 [1] [2]). So war es Frauen verboten, Geweihtes zu berühren oder das Heiligtum zu betreten. Erst mit der Reinigung erlosch dieses Verbot.
Gebar die Frau jedoch ein Mädchen, so galt sie sogar achtzig Tage als unrein.
Vierzig Tage nach der Geburt von Jesus, und somit vierzig Tage nach Weihnachten, konnte Maria ihre Reinigung erwirken. So ist Mariä Reinigung eine andere Beschreibung für das als veraltet geltende Mariä Lichtmess.

Und noch etwas fällt mit dem 2. Februar zusammen: Der Beginn des Bauernjahres. Je nach Witterung wurde die Arbeit auf dem Feld wieder aufgenommen. Die Zeit der Ruhe uns Besinnung ist beendet.

Es scheint also etwas „in dieser Zeit zu liegen“, eine Art Aufbruch, Umbruch, Neubeginn.
Während wir zu Neujahr neue Pläne schmieden, Vorsätze fassen und den Gedanken für Neues Raum geben, beginnt nun die Arbeit an diesen Plänen. Doch nicht zu forsch! Sondern ganz sanft, langsam und vorsichtig.

Die ersten Wochen des neuen Jahres sind vergangen, vielleicht haben sich einige Vorhaben bereits verändert oder sind im Alltag verloren gegangen?
Nun ist der Moment, um sich an die eigenen Vorsätze zu erinnern und zu überprüfen, welche Aspekte noch Platz haben, welche Anpassungen nötig sind, oder ob ganz neue Ideen eine Chance erhalten sollen.

Nutzen Sie diese Tage Anfang Februar bewusst, um schon jetzt zu reflektieren. Reinigen Sie die Gedanken, lassen Sie los, was für Sie keinen Sinn ergibt. Damit schaffen Sie Raum für Neues – und auch für Unvorhergesehenes.

Eine schöne Möglichkeit, um dieses Fest des Lichts und der Reinigung zu begehen ist ein Reinigungsritual.  

 
So ein Reinigungsritual möchte ich Ihnen gerne in den kommenden Tagen vorstellen.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Darstellung_des_Herrn (abgerufen: 26.1.22, 13:30 Uhr)

[2] https://www.bibleserver.com/EU/3.Mose12%2C2-4 (abgerufen: 26.1.22, 13:43 Uhr)

[3] https://www.gruene-insel.de/blog/2019/imbolc-keltisches-mondfest/ (abgerufen: 26.1.2022, 16:32 Uhr)

[4] Wer nun genau schaut, der erkennt im Tattoo auf meinem Oberarm ebendiese Göttin.

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